Wieso nicht in die Wolke?

Roberto Mazzoni  July 15 2011 12:07:54 PM
Immer wieder werden wir gefragt, weshalb wir den E-Mail Service selber betreiben und nicht in die "Cloud" auslagern. Eine Option, die für mich alles andere als reif ist und nur in Frage kommen kann, wenn die E-Mail für alle Angehörigen einer Institution ausgelagert werden könnte. Würde dies nur für die Studierenden gemacht, wären die Einsparungen kaum genügend gross. Im Gegenteil, die Administration würde aufwändiger werden und ein Semesterassistent hätte dann wieder zwei E-Mail Konten zu pflegen. Genau das ist mit unserer Groupware Lösung nicht mehr notwendig. Unabhängig ob Mitarbeitende und/oder Studierende, jede Person hat endlich nur noch eine persönliches E-Mail Konto.

Die Argumente für die "Cloud" sind jeweils immer dieselben. Google würde E-Mail gratis anbieten, live@edu (Microsoft) sei für die Studierenden ebenfalls gratis. Weniger bekannt ist, dass auch IBM mit Lotus Live einen Mailservices in der Wolke anbietet.
Suspekt dürfte ja hier vor allem "gratis" sein. Wo immer es Freibier gibt, irgend jemand bezweckt garantiert etwas damit. Und dass Google hinter unseren Daten her ist, ist inzwischen überhaupt nirgends mehr ein Geheimnis. Weder Microsoft noch Google bieten für Studierende den E-Mail Service aus karitativen Gründen gratis an, genausowenig wie Studierende Office kostenlos von Microsoft erhalten. Da macht doch stutziger, wenn wie im Falle der University of Nebraska gemäss einer Mitteilung bei Heise sogar noch die Nutzung des Dienstes Office 365 mit 250'000 US $ von Microsoft entschädigt wird. Endgültig zum Grübeln kommt man, wenn dann in derselben Mitteilung steht, dass in der medizinischen Fakultät Sicherheitsbedenken bestünden und deshalb der Dienst nicht genutzt würde. Liest man dann wieder bei Heise, dass die US Behörden Zugriff auf die in der "Cloud" liegende Daten haben, müsste eigentlich endgültig geklärt sein, dass "Cloud" Dienste sicher nicht für nur im geringstem Masse vertrauliche Daten genutzt werden können. Ich denke nicht, dass irgend jemand bereit wäre, all seine E-Mails öffentlich ins Web zu stellen.

Letzte Woche wurden im Rahmen eines UniCMS Updates Social Network Sharing Knöpfe auf den Webseiten eingebaut. Es hat nicht lange gedauert, bis auch hier Fragen nach dem Datenschutz aufgekommen sind und die Buttons - eben aus Datenschutzgründen - wieder abgeschaltet werden mussten. Im Kontakt mit dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich sind wir auf das Merkblatt gestossen, welches die Rahmenbedingungen umschreibt, unter welchen Drittangebote in Websites eingebaut werden dürfen. Wer das liest wird sofort realisieren, dass "Cloud" Dienste für sehr viele Szenarien nicht in Frage kommen können.

Dropbox, Picasa, Facebook, Google Docs und was sich alles so tummelt, gebt acht wo ihr Eure Daten deponiert, sie können bei allen Anbietern ruhig als öffentlich betrachtet werden. Irgend jemand hat Interesse daran, Eure Spuren zu lesen.
Comments

1Heinz  03/22/2012 4:05:08 PM  Wieso nicht in die Wolke?

Gibt es offizielle UZH-Richtlinien zur "Auslagerung" von geschäftsrelevanten Daten in die Wolke? Das eben aktualisierte REIM (Reglement über den Einsatz von Informatikmitteln, https://www.uzh.ch/cmsssl/id/dl/sicher/Vorschriften.html) sagt dazu nichts (wenn ich das richtig überblicke), gibt es aber evtl. eine konsolidierte Praxis im Umgang damit?

2Roberto Mazzoni  03/22/2012 4:34:08 PM  Wieso nicht in die Wolke?

Offizielle Richtlinien zur Auslagerung von geschäftsrelevanten Daten in die Wolke gibt es insofern, dass im REIM Folgendes festgehalten ist:

"Die Benutzerinnen und Benutzer von Informatikmitteln sind dafür verantwortlich, dass Daten nicht durch unbefugte Dritte missbräuchlich verwendet werden."

Und bei einem Dienst in der Wolke, welcher nicht nach CH-Recht mit entsprechenden Verträgen vereinbart ist, ist genannte Bedingung nicht erfüllt.

Was eine konsolidierte Praxis betrifft, kann ich unsere Handhabung schildern. Die Informatikdienste verbieten ihren Mitarbeitenden explizit, geschäftliche Daten bei externen Anbietern zu lagern oder E-Mails zu externen Anbietern weiterzuleiten.

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